Beratung.Coaching.Therapie

Paarberatung Hamburg, Dr. Elmar Basse

Das Online-Handbuch “Lieben und Streiten”

Dr. Elmar Basse. - Psychologische Praxis für Beratung, Coaching und Therapie.
Paartherapie, Eheberatung, Partnerschaftsberatung.
Glockengießerwall 17, 20095 Hamburg, Tel. 040-33313361
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Seite 19
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Allerdings vermag nicht jeder Umstand, der sich hier ins Feld führen ließe, den anderen wirklich versöhnlich zu stimmen: Daß man nächtlich schlafwandelte, kann einen ganz von der Schuld befreien. Der Verweis auf Trunkenheit wird sie, je nach Schwere der Konsequenzen, aber vielleicht sogar vergrößern, z.B. bei einem Autounfall. (Mindestens ist damit zu rechnen, daß eine Entschuldigung erwartet wird, warum es überhaupt zur Trunkenheit kam.)

Oder in einem weiteren Beispiel: Erscheint man nicht rechtzeitig zum Kaffee, genügt schon als Entschuldigung, daß man sich nicht in der Gegend auskannte und in die falsche Richtung fuhr. Der Fahrer eines Krankenwagens dürfte hingegen kaum darauf rechnen, mit diesem Hinweis Verständnis zu finden, sollte er erklären müssen, warum er bei einer schwerkranken Person erst vierzig Minuten nach dem Anruf eintraf - und damit 20 Minuten zu spät.

 

4) Hinweis auf biologische Faktoren (11)

A: ”Warum hast du ihr nicht in den Mantel geholfen?”
B: ”Ich habe befürchtet, rot zu werden.”

”Männer (Frauen) sind eben so.”

Die vorwurfsvolle Frage des A bzieht sich auf den bewußten Willen: Vorausgesetzt wird implizit, es wäre dem B wirklich möglich gewesen, die gewünschte Tat zu vollbringen.

Und wirklich, das wäre ihm möglich gewesen, wäre da nicht die Angst, rot zu werden. Das Rotwerden wiederum kann er nicht vermeiden, wenn er die fragliche Handlung ausführt. Es entzieht sich der bewußten Kontrolle - zumindest in dieser Situation, was nicht auszuschließen braucht, daß er sich in Zukunft ändert.

Der Hinweis auf körperliche Faktoren setzt die Annahme voraus, daß der Körper etwas sei, das sich (zumindest teilweise) von der Psyche nicht beherrschen läßt.

Diese Annahme kann im Streitgespräch zuweilen aber auch fraglich werden (”wenn du nur wollen würdest, könntest du deine Triebe schon im Zaum halten”).

5) Die ”traurige Geschichte” (12)

A: ”Wie konntest du nur das Geld aus der Kasse stehlen?”
B: ”Meine Frau hat sich seit unserer Heirat eine ungeheure Verschwendungssucht zu eigen gemacht. Das Geld aus der Kasse zu nehmen war in meiner Situation der einzige Ausweg, der mir noch zu bleiben schien.”


(11) J.Rehbein: Entschuldigungen und Rechtfertigungen, S. 307f.: M.B.Scott/ St.M.Lyman: Praktische Erklärungen, S. 79
(12) E.Goffman: Asyle, S. 149ff.; A.Lehmann: Rechtfertigungsgeschichten

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